Filmreview: Billy Elliot - I Will Dance

Pressestimmen

"Es gibt Filme, die einfach nur glücklich machen. Der britische Film 'Billy Elliot - I Will Dance' wird seine Zuschauer besonders glücklich machen. Denn das Kinodebüt von Stephen Daldry ist nicht nur von außergewöhnlicher Qualität in allen Belangen, sondern bietet auch eine zutiefst bewegende Geschichte und das Gesicht eines Jungen, das in Erinnerung bleiben wird." (Associated Press)
"Aufwendig in Szene gesetztes Drama, das das ganze Spektrum emotionaler Verführungskunst zum Einsatz bringt. Von der ausgefallenen Kulisse und den ausgefeilten Charakteren weiß der Film ebenso zu profitieren wie von der mitreißenden Musik." (film-dienst)

Cover - Billy Elliot

Die Story

Der Film "Billy Elliot - I Will Dance" spielt Mitte der Achtziger Jahre im Norden Englands, in der Gegend um die Kleinstadt Durham; die Bergarbeiter der Region streiken gerade gegen die drohende Schließung der Kohleminen.

Hier lebt der elfjährige Billy mit seinem Vater Jackie, seinem Bruder Tony und der Großmutter. Die Mutter ist früh gestorben. Regelmäßig schickt der strenge Vater Billy ins Boxtraining, obwohl die 50 Pence dafür eigentlich schon zu viel sind; die Bergarbeiterfamilie lebt aufgrund der finanziellen Not durch den Streik am Rande des Existenzminimums. Beim Boxtraining zeigt sich jedoch deutlich, dass der sensible Billy für den Kampfsport völlig ungeeignet ist: er tänzelt um Sandsack und Punching Ball herum oder zappelt im Boxring - und geht im nächsten Moment k.o.

In der Halle, in der die Jungen boxen, trainiert Mrs. Wilkinson auch ihre Ballettschülerinnen. Billy fühlt sich angezogenen von den rhythmischen, eleganten und disziplinierten Bewegungen. Zaghaft sieht er den Mädchen beim Ballett im anderen Teil der Halle zu und irgendwann traut er sich schüchtern, einfach hinzugehen und mitzumachen; Mrs. Wilkinson erkennt Billys Talent und nimmt ihn in ihre Gruppe auf. So entdeckt Billy Elliot eher zufällig das Ballett für sich. Anfangs ist er noch skeptisch, denn eigentlich sollte er ja Boxen lernen; zudem fühlt er sich von Mrs. Wilkinson schikaniert, doch rasch wird das Tanzen für ihn zur Leidenschaft. Billy geht von nun an heimlich zum Ballett. Seinem strengen Vater verschweigt der Junge das neue Betätigungsfeld; offiziell geht er weiter zum Boxen - und die Ballettschuhe werden unter der Matratze versteckt. Bestärkt in seinem Wunsch, Tänzer zu werden, fühlt sich Billy allein durch die Erinnerung an seine Mutter, die seine musische Neigung förderte. Der Vater und der große Bruder würden es jedoch niemals dulden, dass Billy ins Ballett geht.

Doch der Konflikt ist vorprogrammiert, denn in der übersichtlichen Kleinstadt, wo sich die Minenarbeiter alle durch die Arbeit kennen, bleiben Billys Ballettstunden nicht ewig verborgen. Es kommt wie es kommen muss: Als sein Vater eines Tages vom Boxtrainer angesprochen wird, warum sein Sohn nicht mehr zum Training erscheine, kommt Jackie dahinter, was Billy in der Boxhalle tatsächlich übt; der jähzornige und verbitterte Vater verbietet den Ballettunterricht. Seiner Meinung nach ist das nur etwas für Mädchen und Schwule. Er will jedoch, dass aus seinem Sohn ein Boxer wird, damit er sich später einmal im Leben behaupten kann. Die Vorliebe seines Sohnes für das Tanzen passt daher so gar nicht in sein männliches Rollenbild.

Billy teilt sein Leid mit dem Schulfreund Michael, der zwar auch erst skeptisch ist, aber dann versteht, dass es Billys Wunsch ist, zu tanzen. So übt Billy Sprünge und Pirouetten zwischen Mülltonnen und tristen Backsteinhäusern, tanzt sich Zorn und Verzweiflung aus dem Leib. Er kickt und springt durch die Hinterhöfe, legt eine wilde Mischung aus Stepptanz und Ballettfiguren aufs Pflaster, rennt wütend durch seine Straße und tritt gegen Mauern und Tore, als wolle er die ganze Elendskulisse in Grund und Boden stampfen, immer begleitet von Michael, der gerade seine Homosexualität entdeckt und ein Faible für Billy hat.

Die energische und ruppige Mrs. Wilkinson lässt sich von Jackies Verbot jedoch nicht einschüchtern. Sie sieht in dem Jungen jede Menge Talent und will ihn fördern. Daher ermutigt sie den Jungen, weiterzutanzen und unterstützt ihn, indem sie ihm heimlich Privatstunden gibt. Dabei entwickelt sich eine besondere Beziehung zwischen dem unsicheren Tanzschüler und seiner unwirschen aber herzlichen Lehrerin. Mrs. Wilkinson ist es auch, die Billy zu einem Vortanzen für die Royal Ballet School in Newcastle fährt. Billy schafft es in die Auswahl.

Eines Tages sieht Jackie seinen Sohn zum ersten Mal tanzen; nun erkennt er, dass er ihm eine Chance geben muss - auch auf eine bessere Zukunft, auf ein besseres Leben, denn Billy könnte es mit dem Tanz aus dem Elend der trostlosen und ärmlichen Arbeitersiedlung schaffen. Schließlich überwindet der scheinbar hartherzige Mann allmählich seine Vorurteile und sieht ein, dass sein Sohn ein großartiges Talent besitzt. Der Vater springt über seinen eigenen Schatten und gibt seinen Widerstand gegen Billys Leidenschaft auf: um die Fahrt nach für ein Vorstellungsgespräch in London bezahlen zu können, wird er sogar zum geächteten Streikbrecher. Billy wird angenommen und verlässt die Heimatstadt, um für seine Ausbildung nach London zu gehen.

Nach einem Zeitsprung von mehreren Jahren endet der Film mit einem großen Ballettabend in London. Man sieht den erwachsenen Billy Elliot bei einem glanzvollen Auftritt. Er, nun Ballettstar, bekommt die gebührende Anerkennung und wird respektiert; im Publikum ein stolzer Vater, ein stolzer Bruder und der schwule Schulfreund.

"Billy Elliot" war im Jahr 2000 einer der erfolgreichsten englischen Filme und für mehrere Oscars und Baftas (British Academy Awards) nominiert.

Meine Meinung

Der Film reißt den Zuschauer einfach mit und lässt eine ganze Palette unterschiedlicher Emotionen anklingen, indem er Freundschaft, Träume, Vorurteile und familiäre Konflikte thematisiert. "Billy Elliot" ist ein zarter Film, gefühlsdicht, aber unsentimental, ohne kitschige Story, der mich durch seine feine Balance zwischen Humor und Drama, Rührung und Komik, kleinen stillen und ganz großen überwältigenden Momenten sehr beeindruckt hat - untermalt von einem mitreißenden Soundtrack. Vor allem die Leistung von Jamie Bell, der den unsicheren Billy in all seiner Schüchternheit wunderbar und einfühlsam spielt, ist sensationell. Auch die übrigen Hauptdarsteller sind behutsam ausgewählt und verleihen dem Film seine Echtheit und Überzeugungskraft, von der er lebt.

Einer dieser kleinen stillen Momente ist daher auch meine Lieblingszene, nämlich die, in der der schwule Michael Billy in der Weihnachtsnacht die Hände wärmt. Aber mehr wird nicht verraten. Also, DVD kaufen und anschauen!

Billy Elliot - I Will Dance (Drama, Großbritannien 2000)

Länge: 112 Minuten
Regie: Stephen Daldry
Buch: Lee Hall
Musik: Stephen Warbeck
Darsteller: Jamie Bell (Billy), Julie Walters (Mrs. Wilkinson), Gary Lewis (Jackie), Jamie Draven (Tony), Jean Heywood (Großmutter), Stuart Wells (Michael)

Die offizielle Homepage zum Film (engl.): www.billyelliot.com

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