Die Schafe verstehen ihren Schäfer nicht

Der in diesem Jahr zum 266. Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gewählte Papst Franziskus gilt vielen Gläubigen als Reformer. Viele hoffen, dass er die Kirche endlich in das 21. Jahrhundert befördert. Themen, mit denen sich der neue Papst auseinandersetzen muss, gibt es genug: Geschützter Geschlechtsverkehr, die Unauflöslichkeit der Ehe und gleichgeschlechtliche Liebe sind davon die meist beachtesten.
Um die katholische Kirche wirklich zu reformieren hat Franziskus für 2014 eine Sonderbischofssynode angekündigt, bei der über die Themen beraten werden soll. Bevor dies aber passiert, muss die Kirche sich die Meinung seiner Schäfchen einholen, um zu wissen wo wirklich Reformbedarf besteht und wo nicht.
Dazu wurde weltweit ein Fragebogen an die Landeskirchen versandt, der darum bemüht ist ein Meinungsbild der Gläubigen zu erstellen.

Die erste Rückmeldung kommt aus Köln

Das größte deutsche Bistum, das Erzbistum Köln hat nun die ersten Ergebnisse zum Fragebogen veröffentlicht.( Siehe Quelle )
Der Fragebogen wurde an die untergeordneten Dekanate weitergereicht und dort wurde er auf verschiedene Weise bearbeitet. In Düsseldorf wurde dazu eine Kommission eingesetzt und in Bonn wurde online abgestimmt. Das Ergebnis ist deutlich. Die katholische Basis versteht die ablehnende Haltung der Kirche zu Themen wie Verhütung, Scheidung und Homosexualität nicht! Diese Positionen werden von sehr Vielen, als kalt und nicht im Sinne der christlichen Warmherzigkeit betrachtet. Für unsere Community ist dabei besonders der Abschnitt über Homosexualität von Bedeutung.

"[I]hrer Veranlagung gemäß ihrer Liebe Ausdruck geben"

Eigentlich könnte man den Abschnitt zur Frage 5. einfach komplett zitieren, er wäre aussagekräftig genug. Es wird deutlich klargestellt, dass viele Christen die Ablehnung der Erzdiozese gegenüber der staatlichen Gleichstellung von heterosexuellen und homosexuellen Paaren nicht gutheißen.
Es wird eine menschliche Lösung gesucht, bei der man akzeptanz leben und vertreten kann und nicht verteufeln muss. Ohne diese Lösung hat die Kirche ein Glaubwürdigkeitsproblem, welches das tatsächliche Leben mit dem Kirchlichen nur schwer vereinbar macht. Homosexualität wird als gängige Realität von den Gläubigen und den unteren Kirchenebenen anerkannt. Hinzu kommt, dass "[...] Toleranz und Wohlwollen gegenüber dieser Menschengruppe eingefordert [wird] [...]"
Eine Ausgrenzung von homosexuellen Christen sei nicht hinnehmbar und ihnen solle Zugang zu Sakramenten (außer dem Ehesakrament!), Segensfeiern und ehrenamtlichen Ämtern ermöglicht werden.

Kinder leben in gleichgeschlechtlichen Beziehungen und werden akzeptiert

Der letzte Abschnitt zum Thema Homosexualität erkennt an, dass heutzutage Kinder schon längst mit gleichgeschlechtlichen Eltern leben und diese dürfen auch nicht anders behandelt werden. Diskriminerung müsse gestoppt werden.

Fazit

Ob diese Rückmeldung aus dem Erzbistum nun eine Ausnahme ist oder die Regel, ist noch nicht zu sagen. Auch kann man nicht wissen, ob es denn nun zu den geforderten und erwünschten Reformen kommen wird, denn die katholische Kirche gibt es auf der ganzen Welt und nicht nur in Deutschland. Die deutsche, römisch-katholische Kirche gehört, wenn man sie mit anderen Länderkirchen vergleicht noch zu den liberalen. Andere Länderkirchen würden genau das Gegenteil fordern.
Was aber auf jedenfall zu sagen ist, ist, dass die Schäfchen in Deutschland weiter blicken, als ihr Hirte und man darf nur hoffen, dass die angedeutete tollerante Haltung zur Homosexualität sich auch im alltäglichen Leben wiederspiegln wird.

Zur Diskussion dieses Artikels im Forum geht es hier entlang.

Quelle:
http://www.erzbistum-koeln.de/export/sites/ebkportal/presse_und_medien/pressestelle/.content/.galleries/downloads/Koelner_Beitrag_zum_Fragebogen.pdf
geschrieben von Felix Hagedorn (Yahool3r)
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