Heftige Debatte über Disneys Realverfilmung —
„Die Schöne und das Biest“

Filmcover

Am 16. März 2017 ist es endlich soweit: Disneys neuste Realverfilmung „Die Schöne und das Biest“ startet in den deutschen Kinos. Nach dem großen Erfolg von „Maleficent – Die dunkle Fee“ (basierend auf „Dornröschen“), „Cinderella“ und „The Jungle Book“ verzaubert uns Walt Disney nun mit einem weiteren Märchen-Meisterwerk.

Inszeniert wurde der Film von Bill Condon („Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht“) und die Hauptbesetzung kann sich durchaus sehen lassen: Emma Watson („Harry Potter“-Filmreihe) verkörpert die Schöne und Dan Stevens („Nachts im Museum 3“) das haarige Biest. Doch auch die Nebenbesetzung ist wortwörtlich fantastisch: Luke Evans („Fast & Furious 6“), Ewan McGregor („Star Wars – Episode 1-3“), Emma Thompson („Eine zauberhafte Nanny“), Sir Ian McKellen („Der Herr der Ringe“-Trilogie), Stanley Tucci („Die Tribute von Panem“-Filmreihe), Kevin Kline („Dave“) und Josh Gad („Pixels“) sind alle mit an Bord.

LeFou

Doch die Rolle von Josh Gad sorgte in den letzten Tagen für einen regelrechten Wirbelsturm in der Filmbranche. Josh Gad verkörpert in „Die Schöne und das Biest“ nämlich den Handlanger von Gaston (gespielt von Luke Evans), LeFou! LeFou ist im Zeichentrick-Klassiker aus dem Jahre 1991 ein kleiner, pummeliger und eher trotteliger Zeitgenosse, der Gaston bei seiner Eroberung von Belle behilflich sein möchte. In dieser Hinsicht unterscheidet er sich noch nicht von dem LeFou, den wir nun auch 2017 in der Realverfilmung zu sehen bekommen, doch ganz eins zu eins wollte Regisseur Bill Condon die Rolle wohl dann doch nicht übernehmen, denn wie sich im Verlauf des Films herausstellen soll, ist LeFou homosexuell. Eigentlich nichts Besonderes und Ungewöhnliches sollte man meinen. Ganz im Gegenteil: Walt Disney stand schon immer dafür, dass ihre Familie für die ganze Familie geeignet seien. Doch eine homosexuelle Rolle hatte es bislang noch nicht in einer ihre Filme geschafft (Captain Jack Sparrow aus „Pirates of the Caribbean“ ignorieren wir mal, denn nur weil er sich tuntig verhält, muss er nicht gleich homosexuell sein. Seine Vorliebe für Frauen beweist zudem, dass er eher heterosexuell ist).
Doch was ist jetzt eigentlich das Problem? Am 1.März.2017 verkündete Bill Condon, dass Josh Gad´s Rolle des LeFou schwul sei. Hier sein genauer Wortlaut: „LeFou ist jemand, der an einem Tag Gaston sein und an einem anderen Tag Gaston küssen will.“ Dabei lobte er den Schauspieler in höchsten Tönen, da er dies sehr subtil in die Handlung miteinbringe. Zudem soll es am Ende eine kleine Überraschung geben, die für einen Disney-Film sehr exklusiv sein soll. Am 7.März wurde enthüllt, wobei es sich bei dieser exklusiv kleinen Überraschung handeln soll.

Vorsicht der nachfolgende Text enthält Spoiler zum Film!

Im Showdown zum Film stürmt der von Gaston aufgestachelte wütende Mob aus Belles Dorf das verwunschene Schloss des Biests, um es zur Strecke zu bringen. Dabei kommt es zur chaotischen Keilerei zwischen den Eindringlingen und der zu Möbelstücken verzauberten Belegschaft. Die in einen Wandschrank verwandelte Madame de Garderobe nimmt sich drei besonders finster aussehende Gesellen vor, die sie kurzerhand in Frauenkleider steckt. Während zwei der Männer daraufhin geschockt Reißaus nehmen, ist der dritte sichtlich glücklich über sein neues Outfit und lächelt seine Ausstatterin freundlich an.
Als wenig später dann der Fluch, der auf dem Schloss lastet, aufgehoben und aus diesem feierlichen Anlass ein pompöser Ball abgehalten wird, landet genau jener umgestimmte Raufbold bei einem Tausch der Tanzpartner schließlich in den Armen von LeFou, der bei der Auseinandersetzung zuvor ebenfalls die Seiten gewechselt hat. Die beiden schenken sich ein verliebtes Lächeln und bekommen damit ihr ganz persönliches Happy End – ein schöner Moment, der mit adäquater Selbstverständlichkeit beiläufig eingeflochten wird.

Spoiler zu Ende!

Man(n) kann jetzt darüber lachen oder weinen, wie man diese Szene bewerten soll. Am besten schaut es sich jeder im Kino selber an, bevor er sich ein Urteil darüber bildet. Tatsache ist jedoch, dass ein Kino in Alabama den Film aus seinem Programm nahm, weil der Film eine homosexuelle Figur beinhalte! Der Theaterbesitzer nahm kurze Zeit später Stellung dazu: „Ich muss unseren Kunden leider mitteilen, dass wir „Die Schöne und das Biest“ nicht zeigen werden, wenn er [am 17. März in den USA] erscheint. Wenn Unternehmen uns weiterhin ihre Sichtweisen aufzwängen, müssen wir Stellung beziehen. […] Für die, die es nicht wissen: In „Die Schöne und das Biest“ ist die erste homosexuelle Figur [des Franchise] zu sehen. Die Produzenten sagen außerdem, dass es am Ende „eine Überraschung für gleichgeschlechtliche Paare gibt“. Wenn wir unsere elfjährige Enkelin und unseren achtjährigen Enkel nicht mit ins Kino nehmen können, sollten wir den Film nicht sehen. Wenn ich mir keinen Film mit Gott oder Jesus an meiner Seite anschauen kann, sollten wir ihn nicht zeigen.“ Der Kinobesitzer bezeichnet sich und mutmaßlich seine Mitarbeiter als sehr gläubig („Wir sind zuallererst Christen“), die nicht gegen das verstoßen wollen, was in der Bibel stünde. „Wir werden weiterhin familienorientierte Filme zeigen, bei denen man sich nicht um Sex, Nacktheit, Homosexualität und schmutzige Sprache sorgen muss.“ Das allein sorgte natürlich für einen großen Aufschrei in der Fangemeinde, doch damit begann die Kontroverse erst, die sich über die Tage hin immer weiter ausweitete. So rief u.a. ein amerikanischer christlicher Prediger bei Facebook zum Boykott des Films auf: „Sie versuchen, die LGBT-Agenda in die Herzen und Köpfe eurer Kinder zu drücken – passt auf!“, schrieb Graham in seinem Post. „Disney hat das Recht, ihre Trickfilme zu machen, es ist ein freies Land. Aber als Christen haben wir auch das Recht, dieses Unternehmen nicht zu unterstützen. Ich hoffe, dass Christen überall „Nein“ zu Disney sagen!“
Es folgten Online-Petitionen die ebenfalls zu einem Boykott des Films aufriefen und Russland wollte den Film sogar ganz verbieten. Denn in dem von Wladimir Putin regierten Land existiert seit 2013 ein Gesetz, das „homosexuelle Propaganda unter Minderjährigen“ verbietet und das Homosexualität als „nicht-traditionelle sexuelle Beziehung“ bezeichnet. Inzwischen hat Russland das Verbot aber wieder aufgehoben, den Film allerdings mit einer Altersfreigabe von 16 Jahren versehen, nur aufgrund dieser einen homosexuellen Rolle!

In all dem Durcheinander ging beinahe unter, dass es in dem Film auch zu einem Kuss zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarben kommt! Ihr werdet jetzt vielleicht lachen, aber auch das ist in der heutigen Zeit für manche Leute noch immer ein Problem. „Die Schöne und das Biest“ ist somit nicht nur der erste Film des Mäusekonzerns mit einer homosexuellen Rolle, sondern auch ein Film mit Paaren von unterschiedlichen Hautfarben! Ob der Film nun gut oder schlecht ist, sei mal dahin gestellt, aber eines hat Bill Condon mit Sicherheit bewiesen: Mut!
Und nicht zuletzt gibt es auch vielleicht den Menschen Hoffnung, die noch immer von der Mehrheit unterdrückt werden und nicht selten das Opfer von Mobbing werden. Auch kann man hoffen, dass sich Bill Condons Mut am Ende bezahlt macht und Walt Disney auch in den nachkommenden Filmen etwas mehr Vielfalt zeigt.

geschrieben am 08.03.2017 von Skystar
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