Danny, 19: So war mein Coming-Out

Coming Out!

Also gewusst habe ich wohl schon immer, dass ich schwul bin, allerdings habe ich es erst letztes Jahr richtig gemerkt. Angefangen hat es damit, dass ich mich von meiner Freundin trennte, weil ich bemerkt hatte, das etwas nicht in Ordnung war, ich mochte sie, aber ich habe sie irgendwie nicht geliebt. So krass es auch klingen mag, aber ich glaube jeder Mensch hat mal einen Punkt, an dem er merkt, dass er sich selbst grundlegend verändert. Dieser Punkt war bei mir damals erreicht.

Nachdem ich mich dann nun von ihr getrennt hatte, war ich noch ne ganze Weile allein, ich war mir danach zwar sicher, dass ich schwul bin, aber ich traute mich noch nicht, dazu zu stehen. Ungefähr ein Jahr später, war ich mit meinem besten Freund auf einem Weinfest in einem Nachbardorf. Es war ein Montagabend und das Wetter war auch echt super. So kam es, dass es immer später wurde. Wir hatten zwar geplant, allerhöchstens bis um 22 Uhr zu bleiben, aber daraus wurde nichts.

Wir hatten schließlich ne Menge Spaß, da auch noch einige unserer Klassenkammeraden dort waren. So gegen halb zwei sind wir dann doch heimgefahren und auf der Fahrt meinte ich dann zu meinem besten Freund, ob er gut sitzen würde und das Auto unter Kontrolle hätte. Da von ihm nur die Frage kam, was los sei, meinte ich, das ich ihm was zu sagen hätte, was vielleicht ein kleiner Schock oder so sein könnte. Er meinte nur, dass ich endlich sagen solle, was los sei. "Also gut, du hast es ja nicht anders gewollt", meinte ich, und sagte, ich sei schwul! Da ich in dem Moment zum Fenster rausschaute, konnte ich seine Reaktion nicht sehen und da es schon einige Sekunden lang still war, bekam ich so langsam Angst. Aber dann kam seine Antwort und die hatte ich beim besten Willen nicht erwartet. Er meinte nämlich nur "endlich!". Ich habe ihn daraufhin nur total verwirrt angesehen und fragte ihn, was er damit meine. Er erklärte mir, dass er sich das schon ne ganze Weile gedacht hatte und wenn ich es ihm nicht bald gesagt hätte, wäre er böse auf mich geworden! Ich musste da natürlich erst mal lachen. Weiter erklärte er mir, da ich ja wissen wollte, wieso er es sich schon gedacht hätte, dass es wohl so einige Zeichen dafür gegeben hätte, schließlich hätte ich ja kaum noch mit ihm geredet, wenn wir zum Beispiel am Baggersee gewesen sind, haben wir uns früher öfters über Frauen unterhalten, womit ich in den letzten Wochen fast vollkommen aufgehört hätte.

Ich meinte nur, dass mir das eigentlich gar nicht aufgefallen wäre, aber meinte nur, dass es so war, und ersich deshalb so seine Gedanken gemacht hätte. Wir haben uns noch ziemlich lange unterhalten, was dazu führte, dass ich vor der Schule gar nicht erst ins Bett gekommen bin, und die acht Stunden nur mit viel Kaffee und noch mehr Anstrengung geschafft habe. Danach haben wir uns noch oft unterhalten und ca. zwei Wochen später hat er mich zu der schwulen Jugendgruppe, den Rosekids in Freiburg, begleitet und mir so geholfen, den ersten Schritt in Richtung Outing zu machen. Nach dem ich bereits zwei oder dreimal bei den Kids war, fand ich, es wäre an der Zeit, es auch ein paar anderen Freunden zu erzählen. Also erzählte ich es einer meiner Meinung nach guten Freundin. Jedoch war das ein kleiner Fehler, denn da sie mit meiner Exfreundin sehr gut befreundet war, hat sie es ihr natürlich sofort erzählt, obwohl ich sie gebeten hatte, dies nicht zu tun.

So kam es, dass noch am selben Abend meine Exfreundin bei mir vor der Tür stand und mich zu Rede stellen wollte. Jedoch war ich in diesem Moment selber nicht daheim. Als ich dann etwas später zurückkam meinte meine Mutter, dass Sarah da gewesen sei und total komisch war, und sie fragte mich, was los sei. Ich habe ihr darauf hin nur irgendeine Geschichte aufgetischt und bin dann in mein Zimmer verschwunden, kurze Zeit später kam Sarah dann noch mal. Wir haben uns lange unterhalten und nachdem ich ihr erklärt hatte, dass Simone, die besagte Freundin, ihr alles total falsch erzählt hatte, war wieder alles einigermaßen in Ordnung, heute sind wir eigentlich recht gute Freunde, auch wenn wir uns nur selten sehen. Danach blieb mir jedoch nichts anderes übrig, als auch meinen Eltern reinen Wein einzuschenken, denn meine Mum war nun doch recht misstrauisch. Ich hatte furchtbare Angst, ihr etwas zu sagen, was sich hinterher jedoch als vollkommen unnötig erwies, denn sie hatte absolut kein Problem damit. Zwei Wochen später, an meinem Geburtstag, fragt sie mich sogar, ob ich mir denn keinen Freund wünsche, denn den könne sie mir ja leider nicht so ohne weiteres besorgen.

Nachdem das geschafft war, ging mein restliches Outen so gut wie von allein, was ich zum Teil Simone zu verdanken hatte, zum Teil lag es allerdings auch in meiner eigenen Verantwortung. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich Simone dafür einerseits dankbar bin, da es mir einiges erleichtert hat, aber auf der anderen Seite bin ich wahnsinnig von ihr enttäuscht. Das hat natürlich auch dazu geführt, dass wir kaum noch was miteinander zu tun haben, da man mir auch gesagt hat, dass sie das nicht so recht verkraftet hat, dass ich schwul bin, da sie dachte ich wolle was von ihr, und wenn sie keinen abbekommen würde, hätte sie ja immer noch mich.

Im Großen und Ganzen war mein Outing jedoch wunderbar einfach. Ich habe nirgendwo Probleme gehabt, sei es nun in der Schule, im Job oder in der Familie. Alle haben positiv reagiert. Und dafür bin ich dankbar. Ich danke allen meinen Freunden und meiner Familie, dass sie alle jederzeit zu mir gehalten haben.

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