Vielen, vielen lieben Dank an ArokhsSohn, der tatkräftig an der Geschichte mitgearbeitet hat und ohne den das Ganze wohl aus Zeitgründen ins Wasser gefallen wäre. Ursprünglich sollte sich die Geschichte auf einen Tag beschränken und der Jahresrückblick rein auf Boypoint, doch wie das Schicksal es wollte, kam es anders. Ob jetzt zum Freud oder zum Leid der Benutzer, müsst ihr entscheiden.

Die Boypoint- und LGBT-Jahresrückblickveranstaltung

Teil 2

"Na, geht da was?", fragt Juri neugierig.
"Ich fürchte nicht...", murmelt Jannis gedankenverloren und betrübt.
"Ach was: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!", ruft Juri, der bereits am Weitergehen ist und von einer Hähnchenkeule abbeißt.

"Und? Was sagst du?", erkundig sich Zuri bei seinem Co-Moderator, während sie das Geschehen vom Rand aus beobachten.
"Sind doch einige, die gekommen sind.", erklärt Arokh nickend. "Irgendwie schön. Interessanterweise hatte ich gestern Nacht einen Traum, der der Realität gerade sehr nahe kam. Würde ich auf einer Weihnachtsfeier sein wollen, dann wäre das diese hier. Die Mischung ist echt angenehm. Macht Spaß."
"Also wenn man sich mal deinen Co-Moderator anschaut... Das Hemd schaut an der Seite aus der Hose, zwei unterschiedliche Socken in nicht wirklich ordentlich polierten Schuhen... Und das ist erst das Aussehen. Vom Anzug wollen wir ja gar nicht reden. Würde ich ihn nicht besser kennen, würde ich ihn glatt für einen Paradiesvogel halten."
"Besonders ist er vielleicht, aber dann eher besonders schüchtern", wendet Arokh ein, aber Zuri fährt schon fort, über sich selbst zu lästern und kommt gerade erst in Fahrt.
"Die Show... Na ja, wie soll ich sagen... Er war ja am Anfang schon sehr amateurhaft und sein Konzept reißt mich jetzt nicht wirklich vom Hocker — gut, dass wir auf einem Sofa sitzen. Für den Kenner und hoffnungslosen Nerd ein Muss, keine Frage, aber ob das Ganze massentauglich ist, ich weiß nicht... Ich kann die Kritiker förmlich hören... Ach, was urteile ich über mich selbst? Sollen das doch andere machen."
So beendet er seinen leicht theatralischen Vortrag, zwinkert Arokh zu und lädt sich dann erneut seinen Teller zu.

"Sorry, ich konnt echt nicht früher. Ist schon alles vorbei?"
"Nein, Halbzeit. Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr."
"Aber Florin, ich hab's dir doch versprochen. Aber die Facharbeit für die Uni war ziemlich wichtig. Der Prof hat mir schon eine Woche Aufschub gegeben, was sehr großzügig ist. Ich fand's doch auch nicht toll, zu arbeiten, während andere schon in den Semesterferien sind."
"Hättest du das nicht auch morgen machen können? Ich hab mich so gefreut, mit dir zusammen hier hingehen zu können."
"Manchmal kommen Dinge halt anders und man kann sie nicht ändern. Ich hab mich doch schon entschuldigt. Aber versteh doch bitte auch meine Position."
"Bei dir dreht sich in letzter Zeit alles um die Uni. Wir haben so wenig Zeit zusammen..."
"Florin, Süßer, mach mir doch jetzt keine Szene. Nicht hier. Nicht heute. Lass uns den Abend genießen. Jetzt bin ich ja da. Und die Arbeit gebe ich auch morgen ab."
Anstatt zu antworten fällt Florin Valentin, seinem Freund, um den Hals, was diesem wiederum Antwort genug ist.

Zuri verschluckt sich fast, als er eine vorbeigehende Gestalt erspäht, die er unbedingt ansprechen möchte, aber den Mund noch voll hat. Er läuft rot an, versucht mit aller Kraft, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, bekommt die Schulter der Gestalt zu fassen, schluckt und spricht die sich nun umdrehende Gestalt an.
"2BD, schön, dass du dich mal aus dem Backstagebereich raustraust. Es schmeckt fabelhaft! Vielen lieben Dank nochmal, weiß nicht, ob du das eben gehört hast. Ist da auch nichts bei, was — umgekehrt wie Soya — hetero macht? Nur zur Sicherheit..."
"Danke, danke. Hab nichts von deiner Show mitbekommen, aber ist sicher cool gewesen."
"Tja, Wette verloren."
"Der Anzug steht dir. Grün passt zu dir. Aber die Haare von Mr. Green hätten dem Anzug besser gestanden."
"Dem Anzug stehen Haare? Innenfutter? Pelz? Nee, ich weiß schon, was du meinst. Schneiden wollte ich sie aber dennoch nicht. Und nach hinten gelen wäre vielleicht passender, aber nicht mein Stil. Mit der Krücke muss ich wohl leben."
"Gehörte bei Mr. Green nicht auch ein Hut zu?"
"Ja, aber mir stehen Hüte meist nicht. Hab ihn weggelassen."
"Gut gemacht. Sieh, mal das Hippo macht sich auch munter über das Essen her. Nur scheint es etwas schüchtern unter dem Tisch verkrochen. Vielleicht sind es ihm zu viele Leute hier."
Das Hippo stellt sich als pinkes Nilpferd, welches scheu unter dem Tischtuch hervorlugt, aber sich ordentlich mit Speisen eingedeckt hatte, welche es nun verspeist, heraus.

Timo kommt gerade von den Toiletten und geht am Buffet vorbei. Dabei hört er, wie sich zwei Jungs unterhalten.
"Boah, nee. Ich hab dir gleich gesagt, dass das alles Kinder sind!"
"Die sind vielleicht ein paar Jahre jünger als du und überhaupt: Es geht doch um die Show. Da ist das Alter doch egal."
"Oh, der da hinten sieht geil aus und der geht gerade zum Klo. Da geh ich doch gleich mal hinterher und vielleicht haben wir dann gleich ein bisschen Spaß."
Der Typ geht an Timo vorbei, ohne ihn zu beachten.
"Sag mal, kommst du nachher noch mit zu Karim?", fragt ein blonder Junge einen anderen und fasst ihn dabei sanft an den Arm. "Wir kochen ein bisschen, danach kuscheln wir wahrscheinlich wieder und... du weißt schon." Er setzt ein verschwörerisches Lächeln auf. "Willst du nicht mitkommen? Zu dritt macht das doch viel mehr Spaß. Und mit dir war es immer sehr schön. Wann hatten wir denn das letzte Mal Sex?"
Er geht weiter und bleibt schließlich neben einem Jungen stehen, der ohne jegliche Begleitung oder Gesprächspartner sprichwörtlich herumsteht wie bestellt und nicht abgeholt. Bevor er ihn anspricht, folgt er dem Blick des anderen und schnell wird ihm die Bedeutung desselben klar.
"Na? So nah und doch unerreichbar?"
"Was? Äh? Ja, genau. Woher?"
"Immer langsam" Er lacht. "Ich bin Timo" und reicht ihm die Hand.
"Tut mir leid, einen Moment lang dachte ich, du wollest mit mir flirten."
"Es reicht mir schon, allgemein hier ein paar Leute kennen zu lernen. Ohne Begleitung hier zu sein, hat den Vorteil, dass man auf niemanden achten muss und einfach von Grüppchen zu Grüppchen wandern kann.
"Also er heißt Nick und beachtet mich leider nicht."
"Jetzt steht er gerade mal für einen Moment alleine. Nutz die Chance und sprich ihn an... oder lass es und komm mit ans Buffet und lenk dich ab, weil dann wahrscheinlich nie was draus wird. Dann solltest du ihn abhaken."
"Na ja, gleich kommen sicher seine Freunde wieder. Er will bestimmt nichts von mir und dann stehe ich da wie'n Looser. Komm, lass uns zum Buffet gehen."

Die Pause ist vorbei und allmählich finden sich die Gäste wieder auf ihren Plätzen ein.
"Alle wieder da? Ich kann von hier oben nicht so gut ins Publikum sehen. Diese Strahler knallen uns hier so auf die Birne, wenn ich mich vorne an den Rand stelle. Ich kann den Anzug nicht ausziehen, weil Arokh mich sonst fragt, warum der riesige kreisförmige Muster im Achselbereich hat."
Einige anzügliche Rufe ertönen.
"Nee, table dance oder Chippendales haben wir beide nicht im Programm. Schaut mal nach eurem Nachbarn und auch auf die Seite, wo nicht eure Begleitung sitzt, ob auch der wieder da ist. Wenn nicht, macht euch kurz bemerkbar und wir warten noch. Arokh siehst du noch irgendwelche Meldungen? Gut, dann übergebe ich an dich."
Der Co-Moderator tritt einen Schritt nach vorn und räuspert sich. Er ist sichtlich nervös. Kann man ihm nicht verübeln, schließlich kündigt er nicht jeden Tag eine wahre Größe aus der Musikprominenz an. "Mein werter Kollege sprach ja gerade über die verbleibenden Programmpunkte, besser gesagt, ganz spezielle Programmpunkte — nicht das, was ihr denkt. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut — oder besser gesagt 'er hat keine Kosten und Mühen gescheut', denn er tritt ohne jegliche Gage heute für uns auf — hier ist er: Ebenfalls schwul und ein Mensch, der sich bereits seit Jahren für LGBT*s einsetzt. Begrüßt mit mir den Mann, der schon auf Lady Diannas Beerdigung 'Candle in the Wind' gespielt und die Musik zu 'Der König der Löwen' komponiert hat: SIR - ELTON - HERCULES - JOHN!"
"Zu Matthew Shepard gibt es unter anderem die Filme 'The Mattew Sheppard story' und
'The Laramie Project', welches ursprünglich ein Theaterstück war. Laramie ist ein Ort in Wyoming und der Ort, in dem Matthews Eltern leben. Ein anderer empfehlenswerter Film, allerdings wie die beiden davor genannten nicht aus 2017, ist 'Prayers for Bobby'. Dieser handelt von einem jungen Mann namens Bobby Griffith, der Suizid begangen hat, nachdem seine Mutter, Mary Griffith, eine streng-gläubige Presbyterianerin, versucht hat, ihn durch Glauben von seiner Homosexualität zu heilen. Erst nach seinem Tod sieht sie ihren Fehler und den der Ex-Gay-Bewegung, die den Glauben vertritt, Homosexualität durch Therapie heilen zu können, ein und wird eine sehr bekannte LGBT-Aktivistin.", erklärt Zuri.
"Wie wir wissen,", setzt Arokh an, "macht Soya weder schwul, noch ist Homosexualität heilbar. Denn Schwulsein ist weder eine Entscheidung noch wird das durch andere beeinflusst noch gibt es ein Gen, welches die sexuelle Orientierung beeinflusst. Es bildet sich in einer Schwangerschaftswoche heraus. Die Ex-Gay-Bewegung hat schon vielen Menschen das Leben schwer gemacht, nicht wenige haben Suizid begangen. Lasst uns nicht aufhören, nicht nur für unsere Rechte zu kämpfen und unseren Stolz, Pride hochzuhalten und zu feiern, sondern auch für Akzeptanz und Toleranz und gegen Diskriminierung einzustehen. Auch wenn sich bezüglich der Entkriminalisierung und der Ehe für Alle bei uns in Deutschland viel getan hat, gibt es immer noch gesellschaftlich einiges zu tun. Wir können uns da nicht auf der faulen Haut ausruhen. Mary Griffith sagt, dass Eltern ihr Kind so akzeptieren sollen, wie es ist, aber bei weitem tun das noch nicht alle. Das ist zumeist sehr traurig. Wir sollten mit bestem Wissen und Gewissen weiter versuchen, Suizide zu verhindern, für andere da zu sein und aufzustehen, wenn jemand ungerecht behandelt wird."
"Da bin ich ganz deiner Meinung, Arokh", pflichtet ihm sein Co-Moderator zu. "Nicht nur bei LGBT*s, sondern bei allen Menschen. Auch gegen Rassismus und andere Formen der Ungerechtigkeit müssen wir entschieden vorgehen.
Apropos "Pride": Das ist auch ein sehr schöner Film, der zeigt, wie wichtig und wertvoll es ist, über den eigenen Tellerrand hinauszusehen und auch Leuten zu helfen, die nicht derselben Minderheit angehören."
"Um nun auf den Punkt zurückzukommen", wendet Zuri ein "und unseren Gast nicht gänzlich zu vergessen, wollen wir nun ein kleines Interview mit unserem Live Act führen. Da Arokh nicht so gut Englisch kann, darf er das Interview führen. Wir wollten ihn mal so richtig schön auflaufen lassen."
Arokh setzt gerade an, empört zu protestieren.
"Und um Arokh unter die Arme zu greifen und damit Elton John auch mehr als ein Wort von Arokh verstehen kann, werde ich übersetzen.
 Der Moderator begrüßt seinen Gast mit den Worten: "Mr John, it's a pleasure to have you here this evening."
 "The pleasure was all mine."
"First of all, I'm interested why you chose today's outfit: An azure blue suit and your unique glasses with rose lenses. There are so much more what we have seen over the years: Your Oncle-Sam-like outfit form 1976, the Papageno-like one from 1977, your musketeer costume, the dress from 1984 or the wig from 1986."
"Well, I was not sure about what to wear till I was here. But I sent one set of my performance clothes to my dressing room here before. One benefit is, that I have all my outfits four times: One set in my house in France, one in England, Los Angeles and Atlanta. So it was no big deal for a spontaneous decision. You know, I'm no sex symbol, I'm an entertainer. That could be one reason for playing the piano instead of playing the guitar in front of the audience. That's a huge difference in expression. But in the last years I took way more normal outfits like a fashionable evening attire. It's not everything about dress up in a costume, but about the freedom to wear what comprises and expresses yourself."
"Ich hab ihn gefragt, warum er dieses Outfit für heute Abend gewählt hat. Er hat eh alles viermal und so hat er eines vorgeschickt in seine Garderobe. Also scheint er das wohl immer spontan zu entscheiden, wie ich heraushören konnte oder unsere Veranstaltung war ihm ein besonderes anliegen, aber das bezweifle ich. Selbst die HdFcon hatte keine internationale Bekanntheit erlangt. Na ja und ausgefallene Outfits trägt er heute seltener."
Zuri richtet das Wort wieder an den englischsprachigen Musiker.
"We heared your Matthew Sheppard memorial just now. What induced you to write such a song? And why him? Why not Bobby Griffith or Tylor Clementi for example?"
"There you got me. Just asked this way I couldn't say which one had a more emotional story or who deserves a memorial as you called it first. It's just a personal thing. I cannot explain this but all this sad storys moved me in their own way. When I wrote 'American Triangle' I went to Laramie to visit Matthews parents. That was a very imprinting happening."
"Er sagt, das Treffen mit Matthews Eltern sei ein einschneidendes Erlebnis gewesen. Alle Geschichten der LGBT-Community bewegen ihn, beispielsweise die von Bobby aus 'Prayers for Bobby' oder Tylor Clementi. Aber ohne bestimmten Grund fällt die Entscheidung dann einfach bei einen von ihnen, in diesem Fall Matthew, dass daraus dann ein Song entsteht."
"Tell me, did you bring your husband David Furnish and your sons Zachery and Elijah along? And if yes, do they sit in the crowd down there?"
"Mind, Zachery is seven and Elijah is almost five. It won't be long for him after new year to wait for his birthday. But he's to young for an audience like that and that time now. David and I talked about giving Zac a short appearance on stage and then go backstage again but we decided to leave both at home." 
"Sein Mann und ihre beiden Söhne sind zu Hause geblieben, hat er mir gerade erzählt. Die beiden Jungs sind auch noch etwas klein für solche Veranstaltungen."
Zum Abschluss möchte er von Elton John wissen:
"One last thing: You played Can you feel the love tonight. Do you think that especially christmas got the power to reveal and rouse love?"
"I'll see it, when I come home to my husband later."
"Ob er daran glaubt, ob Weihnachten das Zeug dazu hat, Liebe zu entfachen, hat er mir jetzt
nicht direkt beantwortet. Nichtsdestotrotz: Wie dem auch sei: Thank you for coming and playing your songs for us, Elton John! Bitte noch einmal einen großen Applaus!"

"Rufen wir nun den nächsten Besucher auf die Bühne."
"Unsere Recherchen haben ergeben", beginnt Arokh.
Neben ihm amüsiert sich Zuri kichernd.
"WAS? Ich musste das auch erst nachgucken", echauffiert sich Arokh. "Ich habe etwas recherchiert und demnach war b00001110 der erste Benutzer, der sich dieses Jahr mit einem Vorstellungsthread vorgestellt hat. b14 — ich les nicht nochmal die ganzen Ziffern vor — komm zu uns auf die Bühne!"
b14 erhebt sich von seinem Platz, kommt die Bühne hinauf und lässt sich auf dem Sofa nieder.
"Na, b14, was machen deine RaspberryPis und Arduinos?", kommt Zuri unvermittelt zur Sache.
"Typisch! Die Informatiker fachsimpeln wieder unter sich.", murmelt Arokh in seinen nicht vorhandenen Bart.
"Abgesehen davon, dass ich gerne mal in Sackgassen mit verschmorten Bauteilen laufe, stellt sich letztendlich meistens ein Erfolg ein. Also ja, die Projekte laufen nach wie vor gut."
"Wenn wir schon bei Nerdtalk sind", mischt sich Arokh ein, der sich etwas fehl am Platze fühlt, "schaust du eigentlich Star Trek und wenn ja, ist deine Lieblingsepisode 11001001 und deine Lieblingsspezies die Bynare? Wenn ja, wer ist dein Lieblingscharakter aus der Episode: Null Null, Null Eins, Eins Null oder Eins Eins?"
"Bezüglich Raspi und Silicon Valley werden Iroc und b14 wahrscheinlich eh nachher viel besser debattieren können", meint Zuri lachend.
"201 ist eben nicht 256", erklärt b14 an Arokh gewandt und sprach dann weiter, sich an Zuri richtend: "Also hast du dir immer noch kein Raspi angeschafft. Traurig, traurig..."
"Zuri, sag mal", beginnt Arokh, "ich hab da nicht so viel Ahnung von. Was kannst du zu LGBT-Festivals 2017 sagen?"
"Äh... Nein, tut mir leid. Ich bin generell kein großer Festivalbesucher."
"Und was ist das da an deinem Handgelenk?"
"Das ist einmal mit verblichenem gelb ein Armband von Amnesty.de und das andere ist von Kuntergrau. Für alle, die das nicht kennen: Das ist eine schwule Webserie, die vom Anyway gedreht wurde. Das wiederum ist ein schwuler Jugendtreff in Köln. Die zweite Staffel wurde via Crowdfunding finanziert und Anfang des Jahres Nachmittags in einem Kino in Köln ausgestrahlt. Ich hab nur die Hälfte der Outtakes verpasst, weil Fabian mit der Spendendose vor mir stand."
"Das ist jetzt ernsthaft deine präsenteste Erinnerung an die Premiere der Staffel? Sieht der denn so gut aus? Wer ist das eigentlich? Einer der Schauspieler oder der Name einer Rolle?"
"Nee, ist schon ein Schauspieler. Er spielt Jan. Und was das Aussehen betrifft: Na ja, nicht wirklich mein Typ."
"Der Festivalteil fällt aber wirklich dürftig aus... Hast du noch was anderes anzubieten?"
"Na ja, ich war dieses Jahr auf dem CSD in Berlin."
"Oh, cool. Wie war das für dich? Was hast du da so alles gemacht?"
"Nicht viel. CSDs interessieren mich nicht so sehr. Hab eigentlich einen Kumpel besucht und er geht gerne auf CSDs. Sich das mal anzuschauen, ist schon nicht uninteressant, aber nur deshalb wäre ich jetzt nicht nach Berlin gefahren."
"Du bist ja wirklich so gut wie gar nicht in der Szene unterwegs. Schon fast enttäuschend, was aktuell den Inhalt dieses Programmpunktes angeht."

Zuri verzieht das Gesicht zu einer Grimasse. Halb amüsiert, halb provozierend, aber nichtsdestoweniger unsicher, wie die folgende Anmoderation ankommen wird.
"Jetzt wird's... heiß — Für einen Moment zumindest. Wer von euch steht auf Rollenspiele? War klar, dass sich da kaum einer freiwillig vor allen Leuten meldet. Angsthasen. Ihr alle."
Er streckt scherzhaft tadelnd einen Finger dem Publikum entgegen.
"Aber wer würde es verschmähen, käme auf einmal Flash angerast: Lederkostüm, Kopf halb unter einer Maske verborgen. Na, Lust, anyone? Spaß beiseite, aber haben könntet ihr so einen. Der Hauptdarsteller Keiynan Lonsdale hat sich dieses Jahr als bisexuell geoutet."
"Und wer möchte nicht vom ehemaligen Hauptdarsteller von House of Cards in die Garderobe gerufen werden?", Arokh schüttelt sich "Ich hoffe keiner — stellt sofort eure schmutzigen Gedanken ab! Nicht nur weiblich-heterosexuelle MeToos haben Twitter überschwemmt, Kevin Spacey — so scharf der Name auch klingen mag — hat damit im negativen Sinne die Debatte um sexuelle Belästigung und zum Teil auch Vergewaltigung, die Harvey Weinstein losgetreten hatte, auch auf Schwule ausgeweitet."
"Als Seriendarsteller hätten wir noch zwei Exemplare anzubieten — ein bisschen Auswahl wollen wir euch ja schon präsentieren — Brandon Flynn von 13 Reasons Why und  Daniel Newman von Walking Dead und Dark Knight Rises, wobei letzterer wiederum bi ist."

"Was haben wir sonst noch in der LGBT-Szene zu bieten? Nun, in den Vorstellungsthreads werden die neuen sehr häufig nach musikalischen Interessen gefragt. Da keiner unserer Benutzer meines Wissens auf der nationalen oder internationalen Bühne Berühmtheit erlangt hat, werden wir uns auf das Hören von Musik, nicht auf das Spielen und selbst Produzieren beschränken", beginnt Arokh.
"Als erstes hätten wir da Troye Sivan, der ja wirklich sehr aktiv in der LGBT-Szene ist. Dieses Jahr hat er nach seiner Blue Neighborhood-Reihe den Song Heaven veröffentlicht, der einer der zwanzig meist aufgerufensten LGBT-Musikvideos des Jahres auf YouTube ist. Insgesamt ist er viermal in den Top 20 vertreten. Allerdings stammen nicht alle Songs aus diesem Jahr. Mit dabei sind auch Dauerbrenner wie Same love von Macklemore, auch ein engagierter LGBT-Aktivist, das Musikvideo zu Take me to church, auch wenn es in dem Lied nicht um Homosexualität geht, das von Joey Graceffa 2015 veröffentlichte Don't wait, welches schon über 22 Millionen Mal aufgerufen wurde. Mit von der Party waren auch Symphony, Young Love, First Time He Kissed a Boy und Lay Me Down.
Dann danken wir nun ein paar Leuten, ohne die das alles heute Abend nicht möglich gewesen wäre:
timtom, der das Forum vor Jahren gegründet hat.
Iroc, der, wie gesagt, die con-Halle hat bauen lassen.
Alex, der uns die Erlaubnis gegeben und alles mit seinen Mitarbeitern in die Wege geleitet hat: das Bühnenbild, das Catering, und so weiter.
Einen Riesenapplaus für alle. Alex ist sogar hier, auch wenn er es nicht ins Publikum geschafft hat, weil Backstage immer was los ist. Aber jetzt mach mal eine Verschnaufpause und komm zu uns auf die Bühne!"
Zuri will gerade aufstehen, um Alex zu begrüßen, der mit standing ovations seitens des Publikums empfangen wird. Dabei fällt ein Zettel aus seinen Moderationskarten, auf die er bisher noch kein einziges Mal geschaut, aber sie immer in der Hand gehalten und nur zur Begrüßung kurz neben sich auf dem Sofa abgelegt hat. Er hebt ihn auf, liest ihn und ein Lächeln stiehlt sich auf sein Gesicht.
"Alex, mein Lieber, danke nochmal. Sieht alles ganz toll aus mit der Deko und hat zeitlich alles super gepasst. Hast was gut bei mir." Er umarmt Alex. Als dieser weitergehen will, um Zuris Co-Moderator zu begrüßen, meint Zuri: "Äh, laut diesem schönen kleinen Zettel deines lieben Freundes Finn soll ich sagen, dass du der bestaussehendste Typ hier im Saal bist. Ich muss ihn leider enttäuschen; ich darf nicht lügen" und streckt Alex die Zuge heraus, woraufhin er einen Schlag in die Seite erntet.
"Darüber reden wir nachher Backstage", erwidert Alex schlagfertig.
"Ja, dazu werde ich Finn gerne ein paar Worte sagen."
"Ich werd' auf jeden Fall nachher Finn suchen und dann machen wir mal ein bisschen gemeinsames Partnerimmunsystemtraining, wie gutgelaunt das ja so schön empfohlen hat."

"Äh, Arokh, hast du eigentlich jemanden mitgebracht heute?"
"Ja, da vorne, in der ersten Reihe."
"Dein Freund?"
"Quatsch! Guck mal etwas genauer hin, der ist ein paar Jahre jünger als ich. Das ist mein Praktikant, Marcus. Und daneben: noch ein Marcus — mein bester Freund."

"Hey Timo", ruft ihm im Herausgehen ein Junge zu.
Jannis wirkt verändert. Seine Augen leuchten.
"Ich hab ihn angesprochen.", sagt er nur außer Atem, während er vor Timo zum Sstehen kommt.

Wenn ihr gerne euren Beef dalassen wollt, mich inständig bitten wollt, damit aufzuhören, schreibt‘s unbedingt in den Thread, sonst kann ich das ja nicht wissen, nur ahnen. Und na ja, von mir aus auch Lob oder Spekulationen, auch wenn es hier jetzt nicht sooo viel zu spekulieren gibt. Aber lasst eure Fackeln und Mistgabeln zu Hause.
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